Samstag waren wir wieder für SideWalkTalk auf der Straße und haben angeboten, wertfrei und bedingungslos zuzuhören. Unsere Listener Community wächst zusammen und je vertrauter wir im Miteinander werden, desto sicherer werden wir auch in unserem Auftritt nach außen.

Die Geschichten, die wir hören, bleiben da, wo sie ausgesprochen werden. Gleichzeitig gibt es eine Sache, die mich bewegt und die ich teilen möchte, kein Inhalt, sondern eine Facette des Zuhörens.

Samstag Nachmittag also, ein schöner Herbsttag und kurz bevor wir unsere Stühle zusammenpacken wollen, setzt sich eine Frau zu mir, nennen wir sie Monika. Monika fängt an zu erzählen. Eine Geschichte, wie sie vielen von uns schon unfreiwillig in die Biographie gelegt wurde, auch mir. „Was raten Sie mir?“ fragt Monika und ich erkläre, dass meine Rolle nicht die einer Ratgeberin ist und biete an, einfach weiter zuzuhören. Sie fährt fort, weint, lacht und lädt ab. Irgendwann kommt sie an ihren Kern und sagt „…und ich will nicht verbittern“, dann Pause.

Wann verbittern wir? Wenn wir nicht gehört werden? Was passiert mit uns, wenn wir unsere Geschichten nicht teilen können und seien es Geschichten über das eigene Unwohlsein? Wenn wir unsere Gedanken einfach einmal ungestört und ohne Druck aussprechen können, dann sortiert sich schon so viel und wir gewinnen (wieder) Klarheit.

Wichtig beim Zuhören ist eine bewusste Selbstwahrnehmung. Ich versuche, meine eigene Stimme beim Zuhören zum Schweigen zu bringen.

Monikas Geschichte hätte auch meine sein können und dennoch hatte ich keine Ahnung, wie es sich für sie anfühlt. Ein „Ich weiß genau, wie du dich fühlst” hätte ihr in diesem Moment den Weg abgeschnitten, eine eigene mögliche Antwort in sich selbst zu entdecken und den Fokus auf mich gelenkt. Die eigene Erfahrung kann zwar helfen, das Gehörte zu verstehen, gleichzeitig kann es aber einem tieferen Verständnis im Weg stehen, eben weil halt nur Monika in Monikas Schuhen steckt. Ein schmaler Grat. Gut, wenn wir ihn erkennen.